
Ein unglaublich bewegender farbenfroher Film über Partnerschaft, der mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird!
Das Pärchen, das in diesem Film die Hauptrolle spielt, wird überzeugend dargestellt von Birgit Minichmayr und Lars Eidinger. Es handelt sich um einen kurzen Ausschnitt ihrer Beziehung, in dem sie in einem Ferienhaus auf Sardinien Urlaub machen. Dadurch sind die meisten Szenen durchtränkt von warmem Sonnenlicht und voll von gesättigten energievollen Farben. Die Farben spiegeln hier besonders die Gefühlsstimmung des Pärchens wider - insbesondere spielen die entscheidensten Streitszenen alle in der Dunkelheit der Nacht.
Die Charaktere des Pärchens sind indivuell, eigen und vor allem ergänzend. So steht die spontane, extrovertierte und emotionale Gitti dem recht konservativ geprägten, von Erfolgsdruck geplagtem Chris gegenüber. Man könnte die Beziehung in einigen Szenen als verrückt, oder einfach als individuell normal bezeichnen - auf jeden Fall glücklich.
Dies ändert sich, sobald sie im Urlaub ein befreundetes verlobtes Pärchen treffen, das eine traditionelle konservative Beziehung führt. Der Mann ist erfolgreich, muskulös, trainiert etc. Die Frau ist typisch weiblich, erwartet natürlich gerade ein Kind, vergöttert ihren Mann und betrachtet ihn als Beschützer. Chris möchte auch eine solch normale Beziehung führen. Die extrovertierte Gitte spürt das und versucht sich zu verändern, um es ihm recht zu machen. Dabei entstehen Spannungen, die die beiden immer stärker distanzieren lassen.
Durch die ruhigen emotionalsgeladenen Bilder, die den Schwerpunkt auf die verbalen Duelle der Protagonisten legt, kann man die Spannungen richtig nachempfinden und fühlt sich mitten drin in der Geschichte. Interessanterweise konnte ich bis jetzt feststellen, dass die Frauen, die den Film gesehen haben eher Verständnis für Gittis Rolle aufbringen, während die Männer sich durchwegs auf Chris' Seite schlagen. Ein Krieg der Geschlechterwelten? Wohl eher eine Dokumentation aus einer mehr oder weniger normalen Beziehung.
edmond.dantesse am 26. November 10
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Für mich vielleicht der Überraschungsfilm dieses Jahres - obwohl er schon letztes Jahr auf dem Münchner Filmfest lief.
Die drei zentralen Frauenfiguren - Mutter und zwei Töchter - werden alle gleichzeitig als verletzlich, aggressiv und liebe-verhungert dargestellt. Sie sollten eine Familie bilden und sich gegenseitig Schutz und Zuneigung bieten, sind jedoch aufgrund vieler früherer Enttäuschungen dazu nicht in der Lage und stoßen sich stattdessen bloß voneinander weg. Ein neuer Freund der Mutter bringt dann das gesamte gebrechliche Familienkonstrukt zum Einstürzen, indem er sich in die minderjährige Protagonistin verliebt. Diese ist atemberaubend charaktertief und lebendig dargestellt durch die Laiendarstellerin Katie Jarvis. Der Film wird aus ihrer Perspektive erzählt.
Das auffälligste Symbol in dem Film ist ein weisses mageres Pferd, das Mia auf einem eingezäunten Gelände angefesselt findet und mehrmals versucht es zu befreien. Dabei repräsentiert das Pferd ihre Kindheit. Ein ungewöhnlich schönes Wesen für die Umgebung des Films und gleichzeitig ist es gefesselt und eingeschränkt in seiner Bewegung und Entwicklung. Nachdem Mia mit dem Freund ihrer Mutter geschlafen hat, findet sie heraus dass das Pferd gestorben ist - damit ist ihre Kindheit symbolisch zu Ende.
Wie Mia ist das Pferd gefangen in der tristen Wohnhaussiedlung - dem metaphorischen Fish Tank. Ihr verzweifelter Versuch mithilfe eines Tanzwettbewerbs das Milieu zu verlassen entpuppt sich als Fehlschlag, da der Wettbewerb nicht zum Breakdance, sondern zum Striptease einlud. Mia beschließt nicht mehr mitzuspielen und verlässt am Ende des Films mit ihrem Freund die Wohnhaussiedlung - ein kurzfristiges Zeichen von Freiheit aber hauptsächlich die Loslösung zu ihrer Familie, ihren Wurzeln und ihrer Vergangenheit bezeugt. Der Ausgang dieser Fahrt bleibt jedoch fragwürdig im Raum stehen - schließlich kann kein Fisch ein Aquarium so leicht verlassen...
edmond.dantesse am 25. November 10
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Warum werden bei solch einem Titel so viele nicht-französische Regisseure ausgewählt?! Es mag ja sein, dass die Regisseurliste mit Namen wie Wes Craven oder dem tollen Gus van Sant glänzt. Aber das kann doch nicht sein, dass mehr als die Hälfte der Kurzfilme von Touristen in Paris, Sprachproblemen oder platten französischen Klischees handelt. Was für ein Irrsinn!
Wenn ich einen Film drehen wollen würde mit dem Titel "Meine große Liebe München", dann würde ich weder in Hamburg drehen, noch die Menschen mit russischem Akzent reden lassen, oder geschweige denn meine Hauptdarsteller mit etlichen Touri-Guides festtackern! Selbst wenn River Phoenix oder Jeanne Moreau persönlich mitspielen wollen würden!
So, das musste mal gesagt werden!
Ansonsten enthält der Film ein paar wirklich nette und rührende 10-Minuten Geschichten. Dabei sind mir folgende besonders im Gedächtnis geblieben:
Isabel Coixet: arbeitet wundervoll mit Symbolen wie dem roten Mantel oder persönlichen Eigenheiten der Charaktere. Alles eingefangen in einer Amélie-Autoritär-Erzählweise.
Tom Tykwer: Natalie Portman verliebt sich als Schauspielerin in einen blinden Pariser. Wie Poesie bleibt ganz Paris mit den beiden stehen und eilt gleichsam über die Beziehung hinweg. Dabei ist die Stimmung der Erzählung besonders interessant - wie in einem Gedicht, kommt einem die Geschichte gleichzeitig traurig und schön zugleich vor. Überraschenderweise mit einem unpoetischen und stolperhaften Happy End.
Gus van Sant: Eine emotionale Entdeckung einer Seelenverwandtschaft zwischen zwei Männern - ausnahmsweise rein platonisch! Doch am Ende läuft er trotz positiver Bildsprache in die falsche Richtung.
Beiträge die mir erspart hätten bleiben können sind die Kurzfilme von Vincenzo Natali (Vampire und Paris bleiben für mich einfach unkompatibel) und Alfonso Cuaron (ein unnötiger Nick Nolte läuft im Dunkeln unkenntlich rum und führt unnötige Gespräche - darauf hat die Welt gewartet - danke.)
edmond.dantesse am 22. November 10
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