Freitag, 26. November 2010
Alle anderen / Maren Ade

Ein unglaublich bewegender farbenfroher Film über Partnerschaft, der mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird!
Das Pärchen, das in diesem Film die Hauptrolle spielt, wird überzeugend dargestellt von Birgit Minichmayr und Lars Eidinger. Es handelt sich um einen kurzen Ausschnitt ihrer Beziehung, in dem sie in einem Ferienhaus auf Sardinien Urlaub machen. Dadurch sind die meisten Szenen durchtränkt von warmem Sonnenlicht und voll von gesättigten energievollen Farben. Die Farben spiegeln hier besonders die Gefühlsstimmung des Pärchens wider - insbesondere spielen die entscheidensten Streitszenen alle in der Dunkelheit der Nacht.
Die Charaktere des Pärchens sind indivuell, eigen und vor allem ergänzend. So steht die spontane, extrovertierte und emotionale Gitti dem recht konservativ geprägten, von Erfolgsdruck geplagtem Chris gegenüber. Man könnte die Beziehung in einigen Szenen als verrückt, oder einfach als individuell normal bezeichnen - auf jeden Fall glücklich.
Dies ändert sich, sobald sie im Urlaub ein befreundetes verlobtes Pärchen treffen, das eine traditionelle konservative Beziehung führt. Der Mann ist erfolgreich, muskulös, trainiert etc. Die Frau ist typisch weiblich, erwartet natürlich gerade ein Kind, vergöttert ihren Mann und betrachtet ihn als Beschützer. Chris möchte auch eine solch normale Beziehung führen. Die extrovertierte Gitte spürt das und versucht sich zu verändern, um es ihm recht zu machen. Dabei entstehen Spannungen, die die beiden immer stärker distanzieren lassen.
Durch die ruhigen emotionalsgeladenen Bilder, die den Schwerpunkt auf die verbalen Duelle der Protagonisten legt, kann man die Spannungen richtig nachempfinden und fühlt sich mitten drin in der Geschichte. Interessanterweise konnte ich bis jetzt feststellen, dass die Frauen, die den Film gesehen haben eher Verständnis für Gittis Rolle aufbringen, während die Männer sich durchwegs auf Chris' Seite schlagen. Ein Krieg der Geschlechterwelten? Wohl eher eine Dokumentation aus einer mehr oder weniger normalen Beziehung.



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