Donnerstag, 25. November 2010
Fish Tank / Andrea Arnold

Für mich vielleicht der Überraschungsfilm dieses Jahres - obwohl er schon letztes Jahr auf dem Münchner Filmfest lief.
Die drei zentralen Frauenfiguren - Mutter und zwei Töchter - werden alle gleichzeitig als verletzlich, aggressiv und liebe-verhungert dargestellt. Sie sollten eine Familie bilden und sich gegenseitig Schutz und Zuneigung bieten, sind jedoch aufgrund vieler früherer Enttäuschungen dazu nicht in der Lage und stoßen sich stattdessen bloß voneinander weg. Ein neuer Freund der Mutter bringt dann das gesamte gebrechliche Familienkonstrukt zum Einstürzen, indem er sich in die minderjährige Protagonistin verliebt. Diese ist atemberaubend charaktertief und lebendig dargestellt durch die Laiendarstellerin Katie Jarvis. Der Film wird aus ihrer Perspektive erzählt.
Das auffälligste Symbol in dem Film ist ein weisses mageres Pferd, das Mia auf einem eingezäunten Gelände angefesselt findet und mehrmals versucht es zu befreien. Dabei repräsentiert das Pferd ihre Kindheit. Ein ungewöhnlich schönes Wesen für die Umgebung des Films und gleichzeitig ist es gefesselt und eingeschränkt in seiner Bewegung und Entwicklung. Nachdem Mia mit dem Freund ihrer Mutter geschlafen hat, findet sie heraus dass das Pferd gestorben ist - damit ist ihre Kindheit symbolisch zu Ende.
Wie Mia ist das Pferd gefangen in der tristen Wohnhaussiedlung - dem metaphorischen Fish Tank. Ihr verzweifelter Versuch mithilfe eines Tanzwettbewerbs das Milieu zu verlassen entpuppt sich als Fehlschlag, da der Wettbewerb nicht zum Breakdance, sondern zum Striptease einlud. Mia beschließt nicht mehr mitzuspielen und verlässt am Ende des Films mit ihrem Freund die Wohnhaussiedlung - ein kurzfristiges Zeichen von Freiheit aber hauptsächlich die Loslösung zu ihrer Familie, ihren Wurzeln und ihrer Vergangenheit bezeugt. Der Ausgang dieser Fahrt bleibt jedoch fragwürdig im Raum stehen - schließlich kann kein Fisch ein Aquarium so leicht verlassen...



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