Donnerstag, 16. Dezember 2010
Onegin / Martha Fiennes

WOW! Dieser Film war eine solche Überraschung! Ich hatte mir von dem Cast rein gar nichts künstlerisches erwartet - Liv Tyler, Ralph Fiennes, amerikanische Produktion - also Standard-Hollywood-Mist! Das hat sich ausnahmweise als Gegenteil erwiesen. Die alte russische Geschichte wird mit solch einer Ruhe und Gespür für Komposition, Kontrasten und Farben erzählt, dass ich meinen Augen nicht trauen konnte! Schon die erste Szene ein Traum: in Zeitlupe wird eine vierspännige Kutsche auf einer weiten Schneeebene gezeigt, anschließend die Bewegung der Pferdehufe in einer Nahaufnahme. Jede weitere Szene war außergewöhnlich klug durchdacht. Die Kontraste aus einigen Szenen könnten einen sogar an den guten Rembrandt erinnern! Die Farben sind jeder Szene entsprechend fein ausgewählt, meistens zart und kühl, manchmal warm und weich. Einfach wundervoll zauberhaft umgesetzt!
Hut ab vor der Fiennes Familie - die Brüder Joseph und Ralph haben schon manch anderen US-Großproduktionen zu Niveau verholfen. Ihre Schwester Martha hat Onegin in enger Zusammenarbeit mit ihrem Bruder Ralph gedreht, und es damit zu einer Fiennes-Family-Produktion gemacht. Hiermit schließe ich ganz offiziell solche Produktionen von meiner schwarzen US-Film-Mist-Liste aus!



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Montag, 13. Dezember 2010
Persuasion / Adrien Shergold

Obwohl es sich hierbei bloß um einen Fernsehfilm handelt, schau ich mir diese Version immer wieder sehr gerne an. Das Farbschema ist blaß und unauffällig, genau so wie der Schnitt und die Kamera. Das Drehbuch ist knapp, ohne etwas vermissen zu lassen.
Was besonders gut gelungen ist, sind die Musik und die Erzählweise: der Film ist nicht dauernd Musik-beschallt, aber wenn, dann sehr intensiv. Die Erzählweise ist ruhig, fast zart könnte man meinen, ohne jedoch an Geschwindigkeit einzubüßen.
Selbst wenn manche meinen, dass es dieser Verfilmung von Jane Austen's letztem Buch an Platz für Emotionen mangelt, finde ich hingegen, dass die schauspielerischen Leistungen von Sally Hawkins als Anne Elliot (auch perfekt besetzt in der Kino-Version von Mansfield Park) und Rupert Penry-Jones als Captain Wentworth, das mehr als grandios wegspielen. Gerade die Konzentration auf die Handlung anstatt auf die Gefühle, macht den Film mitreißend, und bei weitem nicht so langatmig wie manch andere Jane Austen Verfilmungen...
Insgesamt ist der Film überraschend gut, aber dennoch keine Krone der Filmkunst!



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Mittwoch, 8. Dezember 2010
Berlin Calling / Hannes Stöhr

Hier geht es nicht nur um Musik, dieser Film IST Musik! Als ob der Film im harten Techno-Takt atmen würde! Dennoch ist die Erzählung, die Kamera und der Schnitt nicht im selben Takt hektisch und übermäßig schnell, sondern im Gegenteil: es bleibt Zeit für überwältigende Bilder, irrwitzige Gespräche und Emotionen.
Paul Kalkbrenner ist nicht nur der Protagonisten-Kopf des Films, sondern auch der Kopf der Musik, die er als Berufs-DJ selbst komponiert hat. Er lebt die Rolle und am Ende frägt man sich, wieviel er davon selbst schon durchlebt hat.
Selbst wenn jemandem die Musik nicht gefällt, wird er den Film lieben, weil er mehr ist als nur Techno. Selbst wenn jemand meint, es sei eine aufgewärmte Version von "Einer flog über das Kuckucksnest", so irrt er sich: in erster Linie ist es eine Art Dokumentation/Darstellung/Ode an die Techno-Szene. Und das in jeder Hinsicht wahnsinnig gut gemacht!
Das Production Design hält sich manchmal mit Pastelltönen zurück und überlässt der Musik die Bühne. Und andererseits scheint das Bild durch energievolle Farben zusammen mit der Musik schier zu explodieren. Quadrate und andere rein geometrische Formen dominieren die Bildkomposition als Zeichen für die Einfachheit und Rohheit des Techno.
Insgesamt hat der Film etwas, das uns in seinen Bann zieht - als ob man selbst gerade auf Drogen wäre. Zieht euch den Film rein - holt euch den Soundtrack-und ab geht der Trip!



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